Kurdische VoKü im SUSI – Treff Freitag, 1.2.19, ab 18h

Perspektive: Frieden in Rojava

Im Norden Syriens haben sich in den letzten Jahren viele hoffnungsvolle Versuche entwickelt, die Gesellschaft neu zu organisieren. Und das in ständiger Präsenz von Krieg und Zerstörung. Diese Versuche stellen für viele Menschen, welche sich für eine ökologische, antipatriarchale, multiethnische und multiweltanschauliche Lebensweise auf basisdemokratischer Grundlage einsetzen, ein Hoffnungsschimmer dar.
Die Androhung Erdogans, in dieses Gebiet einzumarschieren stellt eine Kriegserklärung dar – je näher die Lokalwahlen im März kommen, desto lauter wird sein Säbelrasseln.

Es erreichen uns jeden Tag neue, schwer interpretierbare Nachrichten von einem bevorstehenden Angriff durch die türkische Armee und ihrer dschihadistischen Satelittentruppen.

Wir wollen über die letzten Entwicklungen informieren und diskutieren aber auch gemeinsame Perspektiven für den Widerstand gegen die drohende Besatzung entwickeln, bevor es zu spät ist.

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Isolation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit – Demo Samstag, 16h Platz der Alten Synagoge

Isolation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich bin ein Mitglied dieser Gesellschaft. Ich beginne einen unbefristeten Hungerstreik, um gegen die Isolation von Herrn Öcalan zu protestieren. Ich werde mich ab sofort nicht mehr vor Gericht verteidigen. Heute wird die Politik der Isolation gegen Abdullah Öcalan nicht nur ihm auferlegt, sondern in seiner Person einer ganzen Gesellschaft“ (Leyla Güven, 7.11.2018)

Mittlerweile ist der 75. Tag des Hungerstreiks von Leyla Güven, HDP – Abgeordnete in der Türkei, inhaftiert wegen ihrer Verurteilung der völkerrechtswidrigen Besetzung von Afrin/ Rojava seit letztem Jahr. Ihr Gesundheitszustand ist lebensbedrohlich – sie kann nicht mehr sprechen und trinken, hat Seh- und Konzentrationsstörungen, leidet an Licht- und Geräuschempfindlichkeit.

Die Zwangsisolation Öcalans steht beispielhaft für die aktive Ausgrenzung der kurdischen Bewegung in allen Bereichen der Gesellschaft: bei den Gesprächen zur Nachkriegsordnung in Syrien wird die kurdische Bewegung nicht eingeladen. Selahatin Demirtaş, Ex – Kovorsitzender der HDP ist in der Türkei ohne Anklageschrift seit 2 Jahren inhaftiert – der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat seine sofortige Freilassung gefordert – dies wird ignoriert. Die Bundesregierung spricht vorneherum von einem Stop der Waffenlieferungen an die Türkei – hintenherum wird der Export verdreifacht. Der Wunsch nach Frieden -er wird ignoriert.

In deutschen Medien ist so gut wie nichts von der Isolation, dem Hungerstreik zu erfahren.

Was wäre, wenn z.B. Cem Özdemir, Katja Kipping oder Christian Lindner sich zu Tode fasten – und niemand darüber berichten würde?

Heute wird die Politik der Isolation gegen Abdullah Öcalan nicht nur ihm auferlegt, sondern in seiner Person einer ganzen Gesellschaft.“

Dem Brechen der Zwangsisolation kommt die Bedeutung eines Beginns der Begegnung, der Menschlichkeit zu. In Strassburg sind seit 17. Dezember 2018 ebenfalls kurdische und solidarische Menschen dem Hungerstreik beigetreten – ebenso, viele politische Gefangene in der Türkei. In Freiburg werden ab Freitag, den 25.1.2018 ab 17h Menschen solidarisch am Hungerstreik teilnehmen.

Ihr könnt eure Solidarität zeigen:

Besucht die Hungerstreikenden in Straßburg (7, rue de la brogue, 67000 Strasburg)

Besucht die Hungerstreikenden in Freiburg (Kurdisches demokratisches Gesellschaftszentrum – Karlsruher Straße 50).

Demo, Samstag, 16h Platz der Alten Synagoge

Solidarität mit Leyla Güven – Aufhebung der Isolationshaft von Abdullah Öcalan“

DIE KURDEN – EIN VOLK ZWISCHEN UNTERDRÜCKUNG UND REBELLION

Mit den Autoren Kerem Schamberger und Michael Meyen (Ludwig- Maximilians-Universität München)
Lesung & Diskussion | Di. 25.09. | 18:30 Uni Freiburg HS1098 (KG1)

Wer weiß um den Krieg, den die Regierung in Ankara seit 2015 gegen die Kurden führt? Wer erinnert sich an die Repressionen in den 1990ern?
Hierzulande kennt man allenfalls die PKK und fragt sich vielleicht verwundert, warum immer noch Tausende mit den Farben und Symbolen dieser „Terrororganisation“ in ganz Europa auf die Straßen gehen. Schamberger und Meyen zeigen, dass die Verfolgung der Kurden in der Gründungsgeschichte der Türkei wurzelt und dass der eigentliche Putsch ort schon 2015 stattfand – ein ziviler Putsch durch die AKP. Doch der Westen will sein Bündnis mit dem Erdogan-Regime nicht gefährden und lässt deshalb ein 25-Millionen-Volk im Stich.
Mehr Infos: https://www.westendverlag.de/buch/die-kurden/

Kurdische Vokü am 4.5.18 im SUSI-Treff

  • Essen ab 18 Uhr 30 (leckeres Buffet)
  • Austausch und Informationen
  • ab 19.30 Uhr Vortrag zum 1. Mai in der Türkei und Widerstand der Gewerkschaften

Der Erlös der Vokü geht direkt an Familien in Cizre, deren Lebensgrundlage 2015 durch das türkische Militär zerstört wurde. Mehr Informationen vor Ort.

Wo? SUSI, Haus A, Seiteneingang, Vaubanallee 2, 79100 Freiburg

Es freut sich auf Euch

Frauengruppe des Kurdisch Alevitischen Vereins und Solikomitee Freiburg

Hasankeyf – Sur – Aktionstag am 28.4. in Freiburg ab 15h auf dem Augustinerplatz

Wasser und Energie. die neuen Machtmittel in Hasankeyf und anderswo

Am 28.4.2018 ist der internationale Hasankeyf – Sur – Aktionstag. Unter dem Motto: „Wasser und Energie. die neuen Machtmittel in Hasankeyf und anderswo“ finden sich auch In Freiburg am Samstag, den 28.4. ab 15h Infostände auf dem Augustiner Platz.

Hasankeyf, eine seit 12.000 Jahren besiedelte Stadt in Nordkurdistan steht als Symbol für den Widerstand gegen das Ilisu–Staudamm–Projekt der türkischen Regierung. Das Ilisu-Projekt am Fluss des Tigris ist das zweit größte Staumdammprojekt der türkischen Regierung, dessen Fertigstellung voraussichtlich zwischen August und Ende diesen Jahres geplant ist. Initiiert wurde es 1997 und nimmt eine Schlüsselposition im Südostanatolien-Projekt (türk. Güneydoğu Anadolu Projesi; GAP) ein, welches hauptsächlich in dem mehrheitlich kurdisch bewohnten Südosten der Türkei umgesetzt wird. GAP besteht aus 22 großen Dämmen mit einer Kapazität von 8000 Megawatt pro Stunde. Geplant ist die Bewässerung von 1,8 Millionen Hektar Land. Das Ilisu-Projekt kostet zwei Milliarden Euro. Das Projekt würde mit seiner Höhe von 138 Meter den Tigris auf einer Länge von 136 Kilometer stauen und ein Gebiet von 313 Quadratkilometer überfluten. Das bringt massive Bedrohungen für die Natur als auch das Leben von 80.000 Menschen mit sich. Desweiteren wird das gezielte Zurückhalten des Wassers als Waffe im Krieg der Türkei gegen die Menschen in Nordsyrien und Nordirak eingesetzt: Die Felder vertrocknen, die lokale Energieerzeugung ist zerstört. Weltweit werden Energie und Wasser – z.B. durch Privatisierung als Machtmittel eingesetzt.

Druck auf internationale Firmen wie z.B. Andritz aus Österreich oder Bresser aus den Niederlanden können Hasankeyf noch retten. So gibt es z.B. unter https://www.oekologische-plattform.de/wp-content/uploads/2018/04/BresserErBu_Petition_DE.pdf eine Unterschriftenaktion. Das Hasankeyf noch nicht geflutet ist, ist auch dank des starken internationalen Widerstandes, welcher die Finanzierung durch deutsche Banken verhinderte möglich geworden.

Was aktuell geschieht und welche Tragweite die Verbrechen der türkischen Regierung haben, wird deutlich, wenn man das z.B. auf den Oberrhein überrträgt: Der Rhein würde gestaut, das Münster ab und in St. Peter wieder aufgebaut, die Winzer vom Kaiserstuhl mit Gelände im Hochschwarzwald zwangsentschädigt. Dann würde unabhängig von bestehenden Bauten oder der Existenzgrundlage von Menschen geflutet. Menschen, die in Herdern wohnen und nicht weichen wollen, würden mürbe gemacht, indem Teile des Rosskopf weggesprengt würden, „damit es bei der Flutung zu keinen Problemen kommt“. Wer bislang vom Tourismus in Freiburg lebte, könnte das ab sofort in St. Peter rund um das wiedererrrichtete Münster herum tun.

Landwirtschaftliche Gebiete jenseits des Dammes würden durch falsche Bewässerung versalzen, den Niederlanden wird die Versorgung mit Süßwasser abgeschnitten, wenn sie politisch nicht willfährig sind. Die Trinkwassergewinnung aus dem aufgestauten Rhein wäre nicht mehr möglich, da die Schadstoffkonzentration im Wasser ständig zunähme. Soweit unser „Planspiel“ – in dem Gebiet von Hasankeyf wäre dies leider die erschreckende Realität falls der Illisudamm seine Arbeit aufnimmt.

Großstaudämme haben eine  zu lange Geschichte weltweit – ob der Narmadastaudamm in Indien oder die Staudämme des Euphrat. Stets gab es lokalen Widerstand und eine breite Initiative für eine soziale und ökologische Wasserwirtschaft.

Wasser geht uns alle an – weltweit!

ANF Images

Sûr ist die Altstadt des antiken Amed (Diyarbakir) mit einer mindestens 7000 Jahre alten ununterbrochenen Besiedlung. Die Bevölerung von Sûr hat sich ab 2007 in rätedemokratischen Strukturen für mehr Demokratie und Frauenbefreiung organisiert. Als die AKP 2015 den Krieg gegen die kurdische Bevölkerung in der Osttürkei begann, wurden Sûr und andere selbstorganisierte Städte brutal angegriffen, große Teile zerstört.  Die Verbrechen des Militärs gegen die Menschlichkeit sind bis heute weder in der Türkei noch international von Gerichten untersucht geschweige denn verurteilt worden. Die größte Zerstörung der Gebäude in Sûr erfolgte jedoch nach Beendigung der bewaffneten Auseinandersetzungen ab März 2016. 25.000 Menschen sind zwangsvertrieben worden, ihre Häuser komplett abgerissen.

Liste von Regierungen, Unternehmen, internationalen Organisationen etc, die im Illisu – Projekt involviert sind, und an die ihr euren Protest richten können:

1.) Türkische Regierung

  • als Hauptverantwortlicher der Zerstörungen; insbesondere die Ministerien „Forst und Wassermanagement“ und „Umwelt und Städteplanung“, die hauptlich für den Ilisu Staudamm und die Zerstörung von Sur sind, und das „Tourismus- und Kulturministerium“, welches diese Zerstörungen absegnet.

2.) UNESCO und/oder die nationale UN Vertretung

  • in Eurem Staat bzw. Bundesland. Dies ist sinnvoll, da die UNESCO und die UN insgesamt zur Zerstörung der Welterbestätten Sur und „Antike Dörfer in Nordsyrien“ als auch Hasankeyf (welches 9 von 10 Unesco Kriterien erfüllt) schweigen.

3.) Österreichisches Unternehmen Andritz.

  • Nach dem Rückzug der europäischen Finanzierung 2009 hat Andritz die Anteile der anderen europäischen Firmen übernommen und ist Konsortialleiter des Ilisu Projektes. Die österreichischen Botschaften+Konsulate können  auch kritisiert werden, weil die österreichische Regierung nichts gegen die aktive Teilnahme von Andritz an Verbrechen gegen Natur, Kultur und Menschen getan hat.

4.) Das holländische Unternehmen Bresser,

  • welches bei der Versetzung des Zeynel Bey Mausoleum im Mai 2017 mit ihrem Fachwissen entscheidend mitgewirkt hat und momentan sehr wahrscheinlich an der Planung zur Versetzung von weiteren sechs Monumenten teilnimmt.

5.) Die türkischen Banken Akbank, Garantibank und Halkbank,

  • die für das Ilisu Projekt Kredite vergeben haben. Diese Banken haben auch in Europe Filialen und betreiben damit Geschäfte. Die spanische Bank BBVA, welche international viele Geschäfte betreibt und die Hälfte von Garantibank besitzt.

Auf die Straße, gegen die Beteiligung am völkerrechtswidrigen Krieg gegen Afrin und Waffenexporte der BRD

bislang bekannte Veranstaltungen gegen den Angriffskrieg der Türkei in Afrin:
Montag 5.2. 16h Kundgebung Rathausplatz
Mittwoch, 7.2. 16h Menschenkette Platz der alten Synagoge 
Donnerstag, 8.2. 16h Kundgebung vorm dem SWR Kartäuserstrasse
Freitag, 9.2. 16h Demo Platz der Alten Synagoge
Samstag, 10.2. 16h Kundgebung Augustiner Platz


Liebe Freiburger_innen, von der  Initiative gegen Krieg Freiburg haben wir folgende 
Einladung bekommen:

"am Donnerstag den 08.02.2018 wollen wir ab 16 Uhr vor dem SWR Gebäude
(Kartäuserstraße) protestieren.
Wir laden euch herzlich dazu ein.

Seit dem 20. Januar wird das nordsyrische Gebiet Afrin von der
türkischen Armee angegriffen. Die Menschen in Afrin versuchen in mitten
von Krieg und Terror, ein basisdemokratisches System, unter Beteiligung
multiethnischer Bevölkerungen, Menschen verschiedenster Religionen und
verschiedenen Geschlechts aufzubauen. Afrin war ein sicherer Ort für
viele, die vor dem syrischen Bürgerkrieg fliehen mussten. Aufgrund der
Angriffe sind mehr als 20.000 Menschen auf der Flucht. 

Auch die Bundesrepublik ist an diesem völkerrechtswidrigen Krieg
beteiligt. Täglich gehen Bilder von deutschen Panzern und Schusswaffen
durch die Welt, welche in diesem Krieg eingesetzt werden. Profiteure von
diesem Krieg sind insbesondere deutsche Rüstungsunternehmen. So z.B.
Rheinmetall, oder die Freiburger Firma Northrop Grumman LITEF GmbH
(Lörracherstraße). LITEF baut „Hybride Navigationssysteme,
Stabilisierungs- und Referenzsysteme sowie Fahrzeugelektronik für
Heeres-anwendungen“. Unter anderem für den Leopard 2 Panzer. Diese
Waffen sind einer der Gründe für weltweite Fluchtbewegungen. Es wird
Zeit, dass wir uns intensiv für die Beendigung von Waffenexporten
einsetzen.

Währenddessen werden in Deutschland kurdische Aktivist_innen oder
solidarische Personen kriminalisiert. Das Zeigen von Symbolen der
kurdischen Bewegung wurde verboten. Es gab Hausdurchsuchungen und 
Strafbefehle für Facebookposts. Diese Bewegung, hat in den letzten
Jahren viele Teile Nordsyriens vom islamistischen Terror befreit. Unsere
Solidarität muss ihnen gelten.

Während in der Türkei über 150 Journalist_innen im Gefängnis sitzen,
mehr als 100 Zeitungen, Radio- und Fernsehsender geschlossen wurden, ist
die deutsche Mainstream-Presse bisher fleißig im kopieren türkischer
Staatsmedien. Die seit zwei Wochen stattfindenden Proteste gegen diesen
Krieg werden von ihr ignoriert. Deshalb haben wir entschieden, dass wir
nicht auf die Presse warten, sondern direkt vor ihrer Tür stehen werden.
Wir fordern eine unabhängige und kritische Berichterstattung! Wir
erwarten, dass die Anliegen Freiburger Bürgerinnen und Bürger ernst
genommen werden! Wir erwarten, dass sie sich endlich gegen den Kurs der
Bundesregierung und für ihre inhaftierten Kolleg_innen in der Türkei
positionieren!

Es ist unsere Verantwortung gegen das Kriegstreiben vorzugehen. Nur
gemeinsam können wir den politischen Druck erhöhen um die Beziehungen
zur Türkei zu verändern. „Fluchtursachen bekämpfen" bedeutet auch sich
dafür einzusetzen, dass Orte wie Afrin sicher bleiben!

Wir laden euch ein, gemeinsam mit uns auf die Straße zu gehen.
Krieg beginnt hier! Beenden wir ihn hier!


Donnerstag 08.02.2018 | 16 Uhr | SWR (Kartäuserstraße)"
Alle weiteren Termine auf www.kusofr.wordpress.com


Initiative gegen Krieg Freiburg

Bundesweite Demo für Afrin am Samstag, 27.1. in Köln 10h Ebertsplatz

Am Samstag, den 20. Januar 2018 hat die türkische Armee ihren Überfall auf die Demokratische Föderation Nordsyrien offiziell begonnen. Unter dem zynischen Namen „Operation Olivenzweig“ steht der Kanton Afrin im Nordwesten Syriens seit Tagen unter massivem Beschuss durch die türkische Artillerie und türkische Kampfjets. Mit dutzenden Luftangriffen wurden zivile Viertel Afrins und Stellungen der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) bombardiert. Eingesetzt werden bei diesem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auch deutsche Kampfpanzer vom Typ „Leopard 2“. Auch ein Camp, in dem über 500.000 Geflüchteten aus anderen Teilen Syriens Zuflucht gefunden haben, wurde nicht verschont. Die türkische Besatzungsarmee rückt gemeinsam mit islamistischen Verbänden der so genannten „Freien Syrischen Armee“ an fünf Fronten auf Afrin vor. Im Norden Afrins finden zurzeit schwerste Gefechte zwischen den Selbstverteidigungseinheiten der Bevölkerung und der türkischen Armee statt. Die Kräfte der YPG/YPJ leisten erbitterten Widerstand und wehren unter größter Opferbereitschaft den türkischen Vormarsch ab. Erdogan hat angekündigt, dass die Besatzung Afrins nur der erste Schritt in einem umfassenden Vernichtungsfeldzug gegen ganz Rojava und die gesamte Demokratische Föderation Nordsyrien sein soll. Allein die Bilanz der ersten drei Tage ist erschreckend; 18 ZivilistInnen wurden ermordet und 3 KämpferInnen sind im Widerstand gefallen. Es gibt über 23 verletzte ZivilistInnen.

Der türkische Staat versucht in Afrin das demokratische Projekt, das unter größten Anstrengungen und schweren Opfern in den nunmehr fünf Jahren der Revolution aufgebaut und verteidigt wurde, zu zerschlagen In Afrin wird nicht nur eine Stadt bombardiert. Die Bomben der türkischen Armee sollen die Errungenschaften dieser Revolution vernichten. Das gesellschaftliche Projekt des Demokratischen Konföderalismus basiert auf den Prinzipien von Frauenbefreiung, Ökologie und einer radikalen Demokratie. In Nordsyrien haben sich die Völker der Region ein gemeinsames Leben erkämpft, jenseits von Nationalismus, religiösem Sektierertum und imperialistischer Fremdbestimmung. In Nordsyrien wird heute eine Gesellschaft aufgebaut, in der Frauen ihre Geschicke selbstbestimmt in die Hand nehmen und autonome Frauenorganisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen stattfindet. Diese Frauenrevolution ist die Garantie für den Erfolg der Revolution in Rojava. Die Revolution in Nordsyrien ist ein Frühling der Frauen und nie werden sie den Frühling aufhalten können. Mit einer kommunalen Ökonomie und einer basisdemokratischen Räteverwaltung wird versucht, ein Leben jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik und staatlicher Bevormundung aufzubauen.

Während Kobanê von den Mörderbanden des sogenannten Islamischen Staats belagert wurde, sind wir in Europa und auf der ganzen Welt zu Hunderttausenden auf die Straße gegangen, um genau diese Werte und diese Revolution gemeinsam zu verteidigen. Genau wie damals muss heute klar sein: Das Schicksal der Revolution in Nordsyrien und des Mittleren Ostens steht heute in Afrin auf dem Spiel.

Genau wie damals gilt es heute, auch und insbesondere hier in Deutschland, Widerstand zu entwickeln. Es ist offensichtlich, dass dieser verbrecherische Überfall auf Afrin nur Realität werden konnte dank der Unterstützung, die das Regime Erdogans aus Berlin und speziell durch die letzten Gespräche zwischen Sigmar Gabriel und Mevlut Cavusoglu erhalten hat. Es sind Panzer, Fahrzeuge und Gewehre, allesamt in deutschen Fabriken produziert, mit denen die türkischen Soldaten heute über die Grenze nach Afrin marschieren. Es ist die nahezu bedingungslose politische Rückendeckung aus Berlin, die Ankara überhaupt erst dazu ermutigt hat, einen derartigen Völkerrechtsbruch zu unternehmen. Zu guter Letzt ist es die direkte Unterstützung des Innenministeriums hier in Deutschland, mit der Protest von vornherein durch das Verbot sämtlicher kurdischer Flaggen und die andauernde und schärfer werdende Kriminalisierung gegen kurdische Organisationen unterdrückt wird.

Weil Deutschland indirekt eine Kriegspartei in Afrin ist, gilt es den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen und unseren Protest auf die Straße zu tragen. Mit dem Geist von Kobanê müssen wir uns heute zusammentun, organisieren und gemeinsam zur Aktion schreiten, denn morgen schon könnte es zu spät sein. Afrin ist von allen Seiten umzingelt, also müssen wir die Luftröhre dieser Revolution sein.

Wir rufen daher all jene, die sich mit den Werten dieser Revolution identifizieren können, all jene, für die Rojava und die Demokratische Föderation Nordsyrien in den letzten Jahren zur Hoffnung und Inspiration wurde und all jene, die nicht mehr länger zusehen wollen, wie die Bundesregierung sich erneut vor allen Augen zum Komplizen eines weiteren Massakers macht: Kommt zur bundesweiten Demonstration in Köln am Samstag, den 27. Januar und schließt euch auch darüber hinaus in euren Städten und Vierteln zu dezentralen Protestaktionen zusammen.

Wir rufen euch zudem, also die Öffentlichkeit in Deutschland, dazu auf, eure Solidarität mit Afrin zu zeigen und euch mit uns gemeinsam gegen die Kriegspolitik der AKP im Mittleren Osten zu stellen! Lasst uns gemeinsam unsere Stimmen für den Frieden erheben!

 

Demo gegen das Verbot weiterer Symbole der kurdischen Bewegungen, Samstag, 24.6. 18h Freiburg Innenstadt

In Rojava und Shengal werden heute die demokratischen Grundwerte geschützt und verteidigt. Spätestens seit der Verteidigung Kobanês im Jahr 2014, weiß die ganze Welt, dass die Volks- und Frauenverteidigungskräfte YPG und YPJ in Rojava ihr Leben für Demokratie, Freiheit und Frieden auf der ganzen Welt einsetzen. Während der gesamte Mittlere Osten seit Jahren in Kriegen versinkt, wird heute in allen Regionen Kurdistans eine Alternative aufgebaut: Basisdemokratie, Frauenbefreiung und Ökologie bilden die Grundpfeiler des gesellschaftlichen Neuaufbaus. An dem Aufbau einer Gesellschaft in Freiheit beteiligen sich sowohl die regionalen Bevölkerungsgruppen, Glaubens- und Religionsgemeinschaften als auch tausende internationalistische AktivistInnen. Rojava und Shengal sind heute eine gelebte Alternative für alle Menschen, die für eine gerechte Welt ohne Krieg und Ausbeutung eintreten.

Trotz millionenfacher Solidaritätsbekundungen von Menschen aus der ganzen Welt, sind bisher nur wenige Staaten solidarisch mit den demokratischen Errungenschaften in Rojava und Shengal. Es fehlt nicht nur an ausreichender direkter Unterstützung für den Kampf und Widerstand der YPG und YPJ. Die Kraft, die den Islamischen Staat (IS) seit Jahren am effektivsten bekämpft und tausende von KämpferInnen verloren hat, bezeichnet heute einzig die Türkei als „Terroristen“, so wie sie es mit allen politischen Gegnern macht. Die Bundesregierung übernimmt nun die Sichtweise des AKP-Regimes von Recep Tayyip Erdoǧan und stellt damit die YPG und YPJ mit praktisch verbotenen Organisationen gleich.

Denn Deutschland treibt die Kriminalisierung der YPG und YPJ, aber auch der politischen Partei PYD am aktivsten voran. Die Empfehlung des Innenministeriums von Anfang März diesen Jahres, unter anderem die Flaggen der YPG, YPJ und der PYD bei öffentlichen Demonstrationen und Kundgebungen zu verbieten, ist der Höhepunkt dieser Kriminalisierungs- und Verbotspolitik. KurdInnen in Deutschland, aber auch ihre internationalistischen UnterstützerInnen können heute auf deutschen Straßen praktisch keine Solidarität mehr mit den demokratischen Errungenschaften sowie den Kampf und Widerstand in Rojava und Shengal leben und zeigen.

Das Konzept des demokratischen Konföderalismus und die Praxis in Rojava und Shengal zeigen uns, dass ein demokratisches und gleichberechtigtes Zusammenleben der verschiedenen Völker und Glaubensgemeinschaften möglich ist. Reaktionäre Kräfte attackieren aus diesem Grund umso heftiger gesellschaftliche Perspektiven, die jenseits kapitalistischer Ausbeutung und gesellschaftlicher Fragmentierung aufgebaut werden. Ob religiöser Fundamentalismus oder Nationalismus im Mittleren Osten und in Europa: Ziel ist stets, einen Keil in die Gesellschaften zu treiben. Emanzipatorische Alternativen zum bestehenden System sollen bereits im Keim erstickt werden. Unsere Kämpfe für eine solidarische Gesellschaftsperspektive müssen somit immer wieder zusammengeführt werden.

Der Endpunkt der Demonstration markiert somit den Beginn der Gegenproteste gegen den geplanten Aufmarsch der rassistischen, neu-rechten “Identitären Bewegung”. Mit der aggressiven Stimmungsmache gegen Geflüchtete und alle, die als “nicht-europäisch” oder “links” markiert werden und nicht in ihr enges Weltbild passen, heizen sie aktiv den Rechtsruck an und paktieren dabei mit der “Alternative für Deutschland (AfD)”.

Wir rufen alle solidarischen Menschen zur Teilnahme auf.

Wer heute für die Demokratie einsteht, steht auch für Rojava und Shengal ein! Wir akzeptieren die Kriminalisierungs- und Verbotspolitik nicht!

Lasst uns das 21. Jahrhundert zum Jahrhundert der Frauenbefreiung machen!

Kundgebung 8. März 18h Rathausplatz

Pressemitteilung vom Kurdischen Frauenbüro für Frieden – CENÎ zum 8. März:ceni

Zum ersten Viertel des 21. Jahrhunderts sind die Frauen der Welt mit einer extremen Konzentration der Angriffe des Patriarchats konfrontiert. Diese systematischen Angriffe haben mittlerweile den Charakter eines Kriegs gegen Frauen erreicht. Die Versklavung von jesidischen Frauen durch den IS, die Verschleppung von nigerianischen Mädchen durch Boko Haram, propagierter Frauenhass durch populistische Politiker wie Trump, Massenvergewaltigungen oder auch die Aufhebung von Rechten und Freiheiten, die Frauen erkämpft haben, sind nur einige Beispiele, die uns die Ernsthaftigkeit der Lage vor Augen führen. Wir begehen den 8. März, den Internationalen Tag der Frauen, in diesem Jahr mit solch einem Hintergrund.

Aber parallel zu der extremen Zunahme der frauenfeindlichen Angriffe des globalen patriarchalen Systems wächst auch der Widerstand der Frauen. Überall auf der Welt wehren sich die Frauen gegen physische, seelische, sexuelle, politische, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Angriffe. Sie bekennen sich zum weltweiten Kampf der Frauen für Freiheit und Selbstbestimmung.

Eine wichtige führende Rolle in diesem weltweiten Kampf spielt die kurdische Frauenbewegung, welche vor allem durch ihren Widerstand gegen die frauenfeindliche patriarchale Mentalität, sei es in Form des Islamischen Staats, der AKP oder sonst wem, überall auf der Welt Bewunderung hervorgerufen hat. Für die kurdische Frauenbefreiungsbewegung ist Widerstand nicht loszulösen von Schaffungsprozessen. Während wir einerseits gegen frauenfeindliche Angriffe Widerstand leisten und unser Leben, unsere Freiheit, unsere Träume und Utopien verteidigen, bauen wir zugleich auch unser alternatives System auf. Dies ist essentiell. Denn nur so kann wirkliche Veränderung erreicht und sichergestellt werden. Nur so können wir auch wirklich von einer Revolution der Frauen sprechen.

Hierbei ist es von großer Bedeutung, die Zusammenhänge von Patriarchat und heute herrschenden grundlegenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Problemen zu erkennen. Die Frauenfrage bzw. die Unterdrückung und Ausbeutung von Frau als sozialer Kategorie stellt den Urkonflikt dar. Jegliche Macht- und Herrschaftsstrukturen sind erst im Nachhinein errichtet worden. Der Ausbeutung von Natur, von Gesellschaft, von Arbeitskraft liegt die Ausbeutung der Frau zugrunde. In diesem Zusammenhang ist der Kampf für die Befreiung der Frau und die Überwindung von Patriarchat und Sexismus nicht loszulösen vom Kampf gegen Armut, Arbeitslosigkeit, Rechtspopulismus, strukturellem Rassismus, Ausgrenzung, Vertreibung und Kriegen.

Es ist an der Zeit, als Frauen der Welt gemeinsam für unsere Freiheit zu kämpfen. Es ist an der Zeit, gemeinsam gegen die systematischen Angriffe des globalen frauenfeindlichen Systems Stirn zu zeigen. Denn nur gemeinsam können wir dieses weltweite System überwinden. Aber Überwindung bedarf zugleich auch eines aktiven Aufbaus eines alternativen Systems, das auf Freiheit, Gleichheit, Pluralität, Teilnahme, Gerechtigkeit und Frieden baut. Hierzu müssen wir aber unseren Kampf enorm stärken durch autonome und kollektive Selbstorganisierung, Selbstverteidigung und Selbstverwaltung.

Unser Jahrhundert kann zum Jahrhundert, in dem die Frauenbefreiungs realisiert wird, werden. Das patriarchale kapitalistische Weltsystem befindet sich in einer tiefen strukturellen Krise. Wir müssen diese historischen Möglichkeiten nutzen. Jedoch braucht es dafür einen wirkungsvollen gemeinsamen Kampf der Frauen der Welt. Hierfür müssen wir uns noch stärker organisieren, unser Bewusstsein stärken und weltweite Bündnisse schaffen, um unseren grenzenlosen Widerstand zu organisieren. Frauenrevolution ist keine Utopie. Sie ist Wirklichkeit. Aber um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns auf das Erbe aller Frauen, die für Freiheit und Selbstbestimmung gekämpft haben, besinnen. Clara Zetkin, Rosa Luxemburg und Sakine Cansız weisen uns den Weg. Kurdische Frauen wie Zilan, Beritan, Arin Mirkan, Seve und Nucan erleuchten unseren Pfad in die Freiheit.

In diesem Sinne begehen wir den 8. März 2017 mit der Entschlossenheit, das 21. Jahrhundert zum Jahrhundert der Frauenbefreiung zu machen. Hand in Hand, Schulter an Schulter können wir dieses Ziel erreichen – mit Selbstbestimmung, Selbstorganisierung und Selbstverteidigung!

Es lebe der 8. März!

Es lebe der weltweite Kampf der Frauen für Freiheit!

Jin Jiyan Azadî – Frauen Leben Freiheit!

— März 2017

Kurdisches Frauenbüro für Frieden – CENÎ