Pressemitteilung des kurdischen demokratischen Gesellschaftszentrums Freiburg zu den Anschlägen in Berlin und Ankara

Freiburg, 22.12.16

Stopp den Terror weltweit  – für Frieden und den Aufbau demokratischer Strukturen

Als Kurdisch Demokratisches Gesellschaftszentrum in Freiburg verurteilen wir Gewalt in Form von Terroranschlägen wie am 18.12.2016 in Berlin und einen Tag später in Ankara. Unser Mitgefühl gilt den Familienangehörigen und FreundInnen der Menschen, die in Berlin ums Leben gekommen sind. Aus unseren Herkunftsländern kennen wir den Schrecken, den solch eine Tat auslöst.
Wir sprechen uns auch gegen die rassistische Hetze gegen Geflüchtete aus, die jetzt womöglich wieder losgetreten wird. Viele von uns sind
hierher geflohen, weil sie vor staatlicher Gewalt oder vor diesen Daesh-Mördern bedroht waren. Sie flohen vor den Mächten, die unsere Herkunftsländer in Schutt und Asche gelegt haben. Die Verantwortlichen haben Namen: Daesh, Al Shabab, Taliban, Al Nusra, Ahrar al Sham und auch der neue Sultanismus der Türkei.
Dabei haben wir viele Menschen, die uns am Herzen lagen, verloren. Deshalb versuchen wir uns hier für eine neue Perspektive ohne Gewalt
einzusetzen. Dazu gehört unsere klare Stellungsnahme für den Frieden. Wir möchten uns auch hier für eine Gesellschaft einsetzen, die sich
entschieden gegen Gewaltstrukturen organisiert. Dafür braucht es das Mitgefühl als Basis, die Kommunikation zur Vermittlung verschiedener
Meinungen  und den Aufbau bzw. das Bestärken demokratischer Strukturen. Ob es um einen Frieden in Syrien, der Türkei oder ein friedliches
Miteinander in Deutschland geht, sehen wir den Dialog als wichtiges Medium an – und wenden uns gegen all diejenigen, die Dialog, Respekt,
Vielheit nicht akzeptieren sondern mit ihren fanatistischen übersteigerten monoreligiösen Weltbildern die Welt mit Gewalt und Hass
überziehen.

Wir werden   am 28.12. um 18h Rathausplatz –  Freiburg auch zum Andenken an
die Ermordeten in Berlin eine Kundgebung abhalten.

Für eine Welt ohne Terror!
Für den Frieden und den Aufbau demokratischer Strukturen!

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Berlin Ankara Paris

Man kann davon ausgehen, dass in Berlin ein Terroranschlag von einem Daesh Terroisten verübt wurde, nach dem Vorbild von Nizza. Jetzt wird wieder die rassistische Hetze gegen Geflüchtete losgehen, wogegen wir unbedingt Stellung beziehen müssen. Die meisten Geflüchteten sind doch genau vor diesen Daesh-Mördern geflohen, die ihre Länder in Schutt und Asche gelegt haben. Daesh, Al Shabab, Taliban, Al Nusra, Ahrar al Sham usw.
Was hat Berlin mit Ankara zu tun? In Ankara wurde der russische Botschafter durch einen islamistischen Attentäter, einen der AKP nahestehenden Polizisten, ermordet. Erdogan hat seine eigene Bevölkerung zu dieser islamistischen Haltung aufgehetzt. Er hat alle Stellen in den Sicherheitsbehörden, bei der Polizei, Armee, in der Justiz etc. durch islamistische Fanatiker besetzt, die in ihrer Haltung Daesh nahestehen. Jetzt wird er wieder versuchen, diesen Anschlag Gülen in die Schuhe zu schieben. Putin hat schon erklärt, der Anschlag gelte dem Frieden in Syrien.
Obwohl Erdogan jetzt versucht einen Deal mit Putin und Assad und Rohani zu machen, um dann gemeinsam gegen die KurdInnen vorgehen zu können, finanziert er seit Jahren die radikalsten Islamisten wie Daesh und Al Qaida, die nun auch mit Assads Billigung in den Norden von Syrien einmarschiert sind, um die SDF zu bekämpfen, die einzige demokratische Kraft in Syrien. Der Deal zwischen Erdogan und Putin wird die Krise in Syrien noch vertiefen.
Die islamistische Krankheit hat Millionen von jungen Männern, die sich in ihren Gesellschaften abgehängt fühlen, auf einen völlig falschen Weg gebracht, der sich übrigens kaum von dem der AFD Mentalität unterscheidet, sie sehen ihre Misere nicht in dem völlig aus dem Gleichgewicht geratenen Leben, dass durch die kapitalistisch Moderne verursacht ist, sondern geben die Schuld den vermeintlich anderen.
In Hamburg wurde ein Attentäter enttarnt, der hier kurdische Politiker ermorden sollte. Ein solcher Attentäter hat auch Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Şaylemez ermordet, ein vom türkischen Staat geschickter Mörder. Kurz vor dem Beginn des Prozesses stirbt er plötzlich. Der Mörder ist tot, also wird wohl auch kein Prozess stattfinden. Der Grund dafür: Die französischen Behörden wollen gar nicht, dass der Mord, die Verbindung zur türkischen Regierung aufgedeckt wird, weil sie selbst damit zu tun haben. Sie haben vier! Jahre gewartet, bis der Prozess beginnen sollte, wohl wissend das Güney an Krebs erkrankt ist.
Es muss endlich eine klare Haltung gegen die Förderer des Islamismus, gegen die Erdogan Regierung, gegen die Unterstützung von Islamistischem Terror geben, sonst wird er auch unser Leben zur Hölle machen. Und wir dürfen nicht zulassen, dass die, die vor diesem Terror geflohen sind, hier beschuldigt werden.

Anja Flach

Freiheit für Besime Konca und alle politischen kurdischen Gefangenen in der Türkei – sofort

In den letzten Wochen sprachen wir mit unterschiedlichen Abgeordneten der Region Freiburg. Dabei baten wir sie, für Besime Konca, eine Abgeordnete der HDP im tom_234453türkischen Parlament, im Rahmen der Inititative „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ (vgl z.b.: https://baerbel-kofler.de/meldungen/parlamentarier-schuetzen-parlamentarier/) eine Patenschaft zu übernehmen.
Was wir lange befürchteten ist gestern eingetreten: als Besime gegen Mitternacht – Ortszeit das türkische Parlament verlies, wurde sie von den Schergen Erdogans in Haft genommen (http://kurdishquestion.com/article/3704-turkey-detains-hdp-mp-besime-konca).
Neben ihr sind gestern und vorgestern noch mehrere hundert weitere Politiker*innen der HDP verhaftet worden. Immer der gleiche Vorwurf: Unterstützung des Terrorismus. Die HDP hatte sich am Vortag deutlich von dem Attentat durch die TAK in Istanbul, bei dem 38 Menschen ums Leben kamen, distanziert. Dennoch sind sie Opfer von Erdogans Rachegelüsten – ein Verhalten, das einem Staatschef in keiner Weise würdig ist und eher an das Gebaren eines vernachlässigten Kindes im Sandkasten erinnert
– wäre es nicht für viele Menschen tödlich.
Wir bitten euch daher im Auswärtigen Amt nach dem Schicksal von Besime nachzufragen, zu zeigen, dass sie nicht allein ist
– und dass sie von internationaler Seite aus unter Beobachtung steht.

Hoffnung auf Frieden und Demokratie im nahen Osten

Vortrag von Songül Karabulut, Mitglied im Vorstand des europäischen
Dachverbandes der kurdischen Gesellschaftsvereine
Der europäische Dachverbandes der kurdischen Gesellschaftsvereine ist
Teil der kurdischen Bewegung, welche für die Rechte und die
Selbstbestimmung der kurdischen Gemeinschaft in der Türkei, Iran, Irak,
und Syrien eintritt. Ziel der kurdischen Bewegung ist dabei kein
Nationalstaat, sondern die Föderalisierung der Staaten in der Region.
Lokale Selbstverwaltung statt neue (Aus)grenzung. Im Vortrag wird
einführend auf die Geschichte der Kurden eingegangen.Schwerpunkt werden
die jüngeren Entwicklungen, die momentane Lage nach der Aufkündigung des
Friedensprozesses in der Türkei, dem Putsch und Gegenputsch und der
Repression gegen Linke und Demokraten in der Türkei sein. Frau Karabulut
wird dabei die Hintergründe der aktuellen politischen und sozialen
Konflikte beleuchten. An die Analyse anschließend werden durch die
kurdische Bewegung entwickelte Lösungen zum Durchbrechen der Spirale aus
Krieg und Gewalt vorgestellt.
Ort: Evangelische Hochschule Freiburg, Raum 1 (AVZ)
Zeit: Mittwoch 14.12.2016, 18h30
Veranstalter: Kurdisches demokratisches Gesellschaftszenztrum, ASTA der
EH Freiburg, Alevitischer Kulturverein