*Ein Verbot zur Unterstützung eines Diktators*

Am 26. November 2016 jährt sich das politisch und ökonomisch bedingte, moralisch und völkerrechtlich unhaltbare und einem Kurden-Verbot gleichkommende /PKK-Verbot /in Deutschland zum 23. Mal. Nicht nur kriminalisiert und marginalisiert das Verbot KurdInnen und ihre solidarischen FreundInnen hier im Lande, sondern dient das PKK-Verbot und der damit einhergehende Terroristen-Status den despotischen Regimen wie der Türkei auch zur Tötung und Vertreibung von Menschen und der Zerstörung ihrer Lebenswelt. Das PKK-Verbot, welches nichts anderes als
das Absprechen des Selbstbestimmungsrechtes der Kurden ist, dient seit Jahrzehnten bis in die Gegenwart als effizientes Instrument der Kriegspolitik der Staaten, aktuell der Vernichtungspolitik des Despoten Erdoğan. Der sogenannte „Kampf gegen den Terror“ dient der Türkei als Legitimationsmittel für ihr faschistisches und zerstörerisches Vorgehen im Nahen und Mittleren Osten. Die kurdischen Gebiete in der Türkei sind unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung in Schutt und Asche gelegt. Alle legalen politische und humanitäre Vereine und Organisationen sind verboten worden. Auch der Einmarsch der Türkei in Rojava/Nordsyrien ist mit demselben Argument begründet und dient der kurdenfeindlichen Politik des türkischen Staates.

Das PKK-Verbot blockiert jede positive Bewegung in der Kurdenfrage, welche seit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Aufteilung und Verleugnung Kurdistans besteht. Sie ist der zentrale Grund für die Konfliktträchtigkeit des Nahen Osten. Eine demokratische und säkulare Gestaltung der Region hängt heute unmittelbar mit Lösung der Kurdenfrage zusammen. Da die kurdische Bewegung um die PKK und Abdullah Öcalan die größte und einflussreichste politische Vertretung der Kurden und
Konfliktpartei ist, sollte sie politisch anerkannt werden. Entgegen
vieler Darstellungen verlangt die kurdische Freiheitsbewegung keine Trennung der Kurden von den jeweiligen Staaten, sondern das Selbstbestimmungsrecht sowie das Selbstverwaltungsrecht, also einfache grundlegende demokratische Rechte. Die Kriminalisierung und Verfolgung der PKK bedeutet nicht nur eine antikurdische Parteinahme in einem völkerrechtlich legitimen Konflikt, sondern steht auch dem Frieden explizit entgegen und fördert Krieg und Vertreibung.

Über Jahrzehnte hinweg wurde die kurdische Freiheitsbewegung medial dämonisiert und fälschlicherweise als Aggressor dargestellt. Dabei ist bei näherem Hingucken leicht ersichtlich, dass die sich weiterentwickelnde PKK sich zur einzig wahrlich säkularen, liberalen, feministischen und (direkt-)demokratischen politischen Organisation im sonst so despotischen, fundamentalistischen und sexistischen Nahen Osten entwickelt hat. Die kurdische Frauenbewegung, die pluralistische Demokratische Partei der Völker HDP oder die progressive multireligiöse und -ethnische /Rojava/ Region sind Ergebnisse des politischen Kampfes und des sozialen Wandels der letzten Jahrzehnte, welche von der kurdischen Freiheitsbewegung angetrieben wird. Das PKK-Verbot und die Nichtanerkennung der kurdischen Bewegung als legitime politische Vertretung von Millionen Kurden stören damit freiheitlich-demokratische
Entwicklungen und Potentiale im kriegerischen und chaotischen Nahen Osten.

In unserer Gesellschaft würde eine Aufhebung des PKK-Verbots helfen, dass die kurdische Bewegung als Identifikationsobjekt nicht allein für hier lebende nahöstliche MigrantInnen fungieren kann. Denn eine Identifikation mit der kurdischen Bewegung bedeutet eine Identifizierung mit der Gleichberechtigung von Ethnien, Religionen oder Geschlechtern; mit der Trennung der Religion von politischer Macht. Dies sind alles Eigenschaften und Werte, die unserer hiesigen vielfältigen Gesellschaft entsprechen und welche der soziale Zusammenhalt und Frieden derzeit und langfristig benötigt.

Deshalb fordern wir weiterhin die Aufhebung des PKK-Verbots und die Streichung der PKK von der Terrorliste sowie die Freilassung von AktivistInnen der kurdischen Freiheitsbewegung!

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„Bevor ihr kamt, war ich wie ein verdorrter Baum, jetzt bin ich wieder stark“

Vortrag Bericht über die traumatherapeutische Arbeit in einem Flüchtlingscamp im Nordirak mit yezidischen Frauen

Frauenverband Courage e.V. Ortsgruppe Freiburg

16.00 – 18.00 Uhr • Familien- und Mütterzentrum Klara • Büggenreuterstraße 12, 2.Stock, 79106 Freiburg-Stühlinger • barrierefrei (mit Aufzug) • Eintritt frei
„Bevor ihr kamt, war ich wie ein verdorrter Baum, jetzt bin ich wieder stark“ – so die 21-jährige Nesrin, die 9 Monate in den Händen der IS war. Sieben Tage lang haben drei Traumatherapeutinnen im Camp mit den Frauen gearbeitet, diskutiert, gelacht und gesungen. Diese Frauen haben den Terror des faschistischen IS überlebt und leiden an den psychischen Folgen. Organisiert von Ceni (kurdisches Frauenfriedensbüro Europa) und dem Frauenverband Courage mit der autonomen Frauenbewegung im Nordirak boten sie den Frauen traumatherapeutische Hilfe zur Selbsthilfe. Dies ist Ausdruck der praktischen Solidarität im Rahmen des weltweiten Zusammenschlusses von Frauen im Weltfrauenprozess.
Referentin: Ulrike Held, psych. Psychotherapeutin, Traumatherapeutin und -dozentin vom Frauenverband Courage, Bundesvorstand

Initiative Familienpatenschaften für Nordkurdistan

Einladung zur VoKü im Susi Treff, 2.12., 18h:

unterstützt die Initiative Familienpatenschaften für Nordkurdistan!

 15.11.2016Die AKP-Regierung setzt ihren Terror gegen die Bevölkerung Nordkurdistans weiter fort. Nachdem zahlreiche kurdische Städte dem Erdboden gleich gemacht wurden, hat das Regime Erdogan nun diejenigen Vereine in Nordkurdistan verboten, die für die Bevölkerung der zerstörten Städte Nothilfe geleistet haben. Unter den 370 Vereinen, die jüngst durch einen Erlass des türkischen Staatspräsidenten Erdoğan verboten wurden, befinden sich auch der „Rojava Solidaritäts- und Hilfsverein“ und der Verein „Sarmaşık“.

Der Rojava Hilfsverein war in Nordkurdistan im Rahmen der Angriffe des IS auf Kobanê gegründet worden. Die Priorität des Vereins lag deshalb zunächst darauf, humanitäre Hilfe in die vom Krieg zerstörten Teile Rojavas zu bringen. Als dann das Erdogan-Regime begann, auch in Nordkurdistan einen erbarmungslosen Krieg gegen die Zivilbevölkerung zu führen, sah sich der Rojava Hilfsverein gezwungen, seinen Fokus neben Rojava auch auf die Bevölkerung der zerstörten Städte Nordkurdistans zu legen.

Den Verein Sarmaşık gibt es in der kurdischen Metropole Amed (Diyarbakir) schon seit 2006. Ziel des Vereins ist die Armutsbekämpfung mit einem nachhaltigen Programm. So hat der Verein eine Lebensmittelbank ins Leben gerufen und zuletzt 5.400 Familien regelmäßig mit Grundnahrungsmitteln versorgt. Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins waren Bildungsprojekte und Stipendien für Schülerinnen und Schüler aus wirtschaftlich schwachen Verhältnissen.

Dass das AKP-Regime nun beide Vereine hat schließen lassen, macht deutlich, auf welche pPolitik der türkische Staat setzt: Die kurdische Zivilbevölkerung soll durch eine Politik des Aushungerns zur Gehorsamkeit gezwungen werden.

Durch Familienpatenschaften die AKP-Politik durchbrechen!

Gerade vor diesem Hintergrund nimmt die Bedeutung des Familienpatenschafts-Projekts deutlich zu. Tausende Familien, die ihre Häuser und Wohnungen im Zuge der Zerstörung der kurdischen Städte durch das türkische Militär verloren haben, benötigen weiterhin dringende Unterstützung. Die jüngsten Bilder aus Şirnex (Şırnak), wo die Zivilbevölkerung nach acht Monaten Ausgangssperre zurückkehren durfte, machen das Ausmaß der Zerstörung deutlich. Ganze Stadtteile wurden dem Erdboden gleichgemacht, hunderte Familien haben ihr ganzes Hab und Gut verloren.

Die Familien in Şirnex benötigen ebenso unsere Unterstützung, wie die Menschen in Nisebîn (Nusaybin), im Bezirk Sur (Altstadt von Amed), Cizîr (Cizre) und anderswo. Da nun die Hilfsorganisationen vor Ort verboten wurden, bleibt nur noch der Weg, die Familien direkt zu unterstützen. Hier setzt das Projekt der Familienpatenschaften an.

Gemeinsam mit den kurdischen Stadtverwaltungen und der Hilfsorganisation Kurdischer Halbmond (Heyva Sor a Kurdistanê) wurde Listen über die notleidenden Familien infolge der Ausgangssperren angefertigt. Diese Familien warten nun auf unsere Unterstützung. Aus diesem Grund möchten wir Paten für diese Familien gewinnen, die bereit sind, mind. über ein Jahr hinweg monatlich 150€ an die Familien zu überweisen. Es können sich natürlich auch mehrere Paten zusammentun, um den monatlichen Betrag von 150€ zusammenzutragen und an die Familien zu überweisen.

Wir würden euch die Kontaktinformationen zu den betroffenen Familien vermitteln. Anschließend könnt ihr direkt mit den betroffenen Menschen in Kontakt treten und so neben der materiellen Unterstützung, auch emotional den Familien zur Seite stehen. Für die Menschen vor Ort ist nämlich das Gefühl, in dieser schwierigen Lage nicht alleine gelassen zu werden, von großer Bedeutung. Überwiesen werden kann die Hilfe problemlos über Dienstleister wie Western Union. Um die sprachlichen Barrieren mit der Familie müsst ihr euch ebenfalls keine Sorgen machen. Wir würden euch mit Menschen bei euch vor Ort in Verbindung setzen, die euch bei der Kommunikation, aber auch bei anderen Fragen bzgl. des Projekts der Familienpatenschaften zur Seite stehen.

Für weitere Fragen könnt ihr euch gerne an uns wenden.

Ihr erreicht uns per Mail unter: familienpatenschaften[at]gmail.com

 

Demo, 11.11 17h Augustinerplatz

Wie ihr sicher mitbekommen habt wurden Abgeordnete der HDP im türkischen Parlament verhaftet, darunter die Kovorsitzenden  Demirtaş und Yüksedag. Damit ist eine demokratische parlamentarische und
rechtssichere Arbeit im türkischen Parlament nicht mehr möglich - die Fraktion der HDP hat beschlossen, das in seiner Befugnis ohnehin schon
sehr eingeschränkte Parlament zu boykottieren. 

Die Reaktionen der westlichen Regierungen beschränken sich zumeist auf (immerhin schon deutlicheren) Protest - was den Präsidenten Erdogan
nicht im mindesten beeindruckt oder irritiert. Es sind allein Taten, die er überhaupt wahrnehmen kann.
Wir fordern:

* Schluss mit den EU - Beitrittsverhandlungen mit der Türkei
* Ende der deutschen Waffenlieferungen an die Türkei
* Wirtschaftsembargo
* Schluss mit dem falschen Flüchtlingsdeal mit der Türkei
* Hände weg von den Abgeordneten der HDP
* Friedensverhandlungen mit der kurdischen Bewegung
* Türkei raus aus Syrien und dem Irak

Hände weg von den Abgeordneten der HDP – heute Demo 17h Rathausplatz

#Solidarität mit der HDP
Edogans Dikatur nimmt Formen an
Die Festnahmen der 11 HDP Abgeordneten(Demokratische Partei der Völker) sind mit der Festnahme von 5.154.688 Menschen gleich zu setzen (Anzahl der Stimmen, die in den Wahlen im November2015 für die HDP gestimmt haben)! Dieser Angriff gegen die HDP bildet den Höhepunkt einerseit Monaten andauernden Kampagne gegen die linke undkurdische Opposition.
Seit den Wahlen im Juni 2015 mitdem Verlust der absoluten Mehrheit der AKP ist die Türkei in einer Krise, in einem System aus Putsch- und Gegenputsch geraten. Nur um ein paar Zahlen zu nennen:
•durch Ausgangssperren in den Städten Cizre,Silopi, Amed (Sûr),… sind 1,5 MillionenMenschen vertrieben und enteignet, über 500ZivilistInnen getötet und ganze Stadtteile zerstörtworden
• 290 Menschen sind bei dem Putschversuch inder Türkei am 15., 16. Juli umgekommen, dieswar der Startpunkt für einen bis heuteanhaltenden Ausnahmezustand

• Schließung von oppositionellen Medien: betroffen sind insgesamt über 50 Zeitungen, Radio- und Fernsehsender, beispielsweise MedNuce TV , Zarok TV (kurdischer Kindersender) und kürzlich die stärkste oppositionelleTageszeitung Cumhuriyet
• über 20.000 Soldaten, Polizisten, Richter und35.000 Lehrer wurden festgenommen oderentlassen (seit über 100 Tagen gibt es inmanchen Gebieten kein Schulunterricht)Zukünftig plant die Regierungspartei AKP und ihrfaschistisches Anhängsel MHP die Todesstrafe erneuteinzuführen.
Im April des kommenden Jahres soll ein Referendum zur Einführung des Präsidialsystems(Ausschaltung der bereits nicht-vorhandenen parlamentarischen Demokratie) stattfinden.
Nun ist der Punkt erreicht, an dem man klar sagen muss: Dieser diktatorische Staat zerstört alle Möglichkeiten friedlichen Protestes. Alle westlichen Staaten, die das Vorgehen Recep Tayyip Erdogans durch militärische, politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit ermöglichen, sind Kollaborateure und müssen unter Druck gesetzt werden.
Ganz nach Theodor Adorno ist es nun auch an der Zeit Deutschlands Mitschuld an dem Faschismus in der Türkei laut zu benennen: „Ich fürchte nicht die Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern die Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten“. So ist die Arbeiterpartei Kurdistans PKK seit über 23 Jahren in Deutschland verboten. Damit sind zehntausende KurdInnen ihre demokratischen Rechte auf Meinungs-, Organisations-, Versammlungs-, und Pressefreiheit beraubt. Damit ist eine politische Organisation in die Illegalität gezwungen, die als Kern der kurdischen Befreiungsbewegung für eine emanzipatorische Perspektive im Nahen Osten eintritt. So marschiert heute Ankara beflügelt von dem Ausnahmezustand und der Hilfe der EU mit dschihadistischen Terrorbanden gegen Rojava (Nordsyrien).
Hier gilt es für uns einer großen Hoffnung der Menschheit an der Seite zu stehen: Einem rätedemokratischen, geschlechtergerechten und egalitären Projekt, einer Alternative zum Kapitalismus. Wir als Jugend werden uns von keinem Angriff einschüchtern lassen, von ihrer Repression nicht kleinkriegen. Wir tragen die Fahne der kurdischen Befreiungsbewegung auch in Europa. Das PKK-Verbot muss fallen. So sind alle aufgerufen sich bewusst zumachen, das die Mechanismen aus Angst und Desinformationen genutzt werden, um uns zu spalten von einem gemeinsamen gerechten Kampf für eine jugendliche Alternative. Wir müssen dafür ein gemeinsames „Wir“, und eine gemeinsame widerständige Identität entwickeln. Nun ist der Punkt auch hier erreicht in der wir die Straße nutzen werden, um auf die Mitschuld Deutschlands und die Situation in der Türkei aufmerksam zu machen. Alle sind aufgerufen sich solidarisch zu beteiligen!
„Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde.“
Martin Luther King